Ernährung & Supplementierung bei Multipler Sklerose: mehr als nur ein „Add-on“?
Ein Fall aus der Praxis.
Vor etwa 12 Monaten kam eine 34-jährige Patientin zu mir in die Beratung. Diagnose: RRMS (schubförmig-remittierende MS). Neurologisch gut eingestellt, aber mit ausgeprägter Fatigue, chronisch erhöhten Entzündungsparametern und der ständigen Angst vor dem nächsten Schub.
Ernährung wird bei MS noch immer oft als „optional“ betrachtet. Die aktuelle Studienlage zeigt jedoch klar: Über Darm, Mikronährstoffstatus und Stoffwechsel lässt sich das neuroinflammatorische Milieu messbar beeinflussen.
Unser therapeutischer Ansatz:
1. Anti-entzündliche Ernährung: Umstellung auf eine modifizierte mediterrane Kost:
- Hoher Anteil an Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA)
- Reich an Polyphenolen & sekundären Pflanzenstoffen
- Deutliche Reduktion von hochverarbeiteten Kohlenhydraten, Zucker und Arachidonsäure (v. a. rotes Fleisch)
➡ Ziel: Reduktion systemischer & neuroinflammatorischer Prozesse
2. Vitamin D3 + K2:
- gezielte Spiegelsteuerung Keine „Standarddosis“, sondern laborgestützte Optimierung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels in den oberen Normbereich (≈ 100–150 nmol/l) zur Immunmodulation.
3. Darm-Hirn-Achse aktiv nutzen
- Aufbau eines stabilen Mikrobioms Kombination aus Probiotika und präbiotischen Ballaststoffen
- Förderung kurzkettiger Fettsäuren (z. B. Propionat, Butyrat)
➡ Unterstützung regulatorischer T-Zellen & entzündungshemmender Signalwege 4. Mitochondriale Unterstützung bei Fatigue
- Magnesium
- Coenzym Q10
➡ Verbesserung des zellulären Energiestoffwechsels
5. Metabolische & Lifestyle-Faktoren (oft unterschätzt)
- Stabilisierung der Blutzuckerregulation
- Schlafqualität & Stressreduktion als Teil der Entzündungskontrolle
Das Ergebnis nach 6 Monaten:
- Deutlich verbesserte Alltagsbelastbarkeit
- Reduktion der Fatigue-Scores
- Messbarer Rückgang entzündlicher Marker
Wichtig:
- Ernährung ersetzt keine Basistherapie, aber sie schafft das biologische Fundament, auf dem jede Therapie besser wirken kann.
Fazit für die Praxis:
- Supplementierung bei MS sollte niemals „nach Gefühl“, sondern individualisiert, evidenzbasiert und laborkontrolliert erfolgen.
- Ernährung sollte integraler Bestandteil jeder ganzheitlichen MS-Therapie sein.
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