Airfryer: Gesundheitshype oder sinnvolle Küchenhilfe? Was die Wissenschaft wirklich sagt
Der Airfryer hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Kaum ein Küchengerät ist derzeit so beliebt. Auch in meiner Sprechstunde höre ich immer häufiger: «Ich bereite mittlerweile fast alles im Airfryer zu.»
Doch ist das aus medizinischer Sicht tatsächlich sinnvoll oder handelt es sich nur um einen weiteren Ernährungstrend?
Die gute Nachricht: Der Airfryer kann einige gesundheitliche Vorteile bieten. Allerdings nicht, weil er Lebensmittel «gesund macht», sondern weil er die Art der Zubereitung verändert. Entscheidend bleibt auch hier, was am Ende im Garkorb landet.
Was ist ein Airfryer überhaupt?
Der Name ist eigentlich etwas irreführend. Ein Airfryer ist keine klassische Fritteuse, sondern vielmehr ein kleiner Hochleistungs-Umluftofen.
Ein leistungsstarker Ventilator lässt sehr heisse Luft mit hoher Geschwindigkeit um die Lebensmittel zirkulieren. Dadurch entsteht eine knusprige Oberfläche, obwohl meist nur sehr wenig oder sogar gar kein Öl benötigt wird.
Das spart nicht nur Fett, sondern verkürzt häufig auch die Garzeit.
1. Weniger Acrylamid
Beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel wie Kartoffeln entsteht Acrylamid. Diese Substanz bildet sich ab Temperaturen von etwa 120 °C im Rahmen der sogenannten Maillard-Reaktion und wird von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft.
Die Höhe der Acrylamidbildung hängt unter anderem von Temperatur, Garzeit und Lebensmittel ab. Studien zeigen, dass bei der Zubereitung im Airfryer im Vergleich zur klassischen Fritteuse deutlich weniger Acrylamid entstehen kann. In einzelnen Untersuchungen wurden Reduktionen von bis zu 90 Prozent beschrieben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass im Airfryer gar kein Acrylamid entsteht. Deshalb gilt auch hier die einfache Regel: Lieber goldgelb als dunkelbraun.
2. Weniger Fett und weniger oxidierte Fettabbauprodukte
Beim klassischen Frittieren werden Lebensmittel vollständig von heissem Öl umgeben. Dadurch nehmen sie Fett auf und gleichzeitig entstehen beim starken Erhitzen sogenannte Lipidoxidationsprodukte und Aldehyde.
Diese Verbindungen stehen mit oxidativem Stress und chronischen Entzündungsprozessen in Zusammenhang. Besonders problematisch wird dies, wenn Frittieröl mehrfach verwendet wird.
Im Airfryer reichen dagegen häufig bereits ein bis zwei Teelöffel Öl aus. Dadurch entstehen deutlich weniger dieser unerwünschten Fettabbauprodukte.
3. Weniger Kalorien bei ähnlicher Knusprigkeit
Knusprige Pommes oder Gemüse benötigen im Airfryer meist nur einen Bruchteil der Fettmenge einer klassischen Fritteuse.
Je nach Rezept enthalten Airfryer-Pommes deshalb häufig 20 bis 40 Prozent weniger Fett als klassisch frittierte Pommes.
Natürlich bleiben Pommes ein Genussmittel. Dennoch kann der geringere Fettgehalt helfen, die tägliche Energieaufnahme zu reduzieren, ohne auf Geschmack verzichten zu müssen.
4. Weniger AGEs: Ein spannender Aspekt für Healthy Aging
Ein Begriff, den viele nicht kennen, sind die sogenannten Advanced Glycation End Products (AGEs).
Diese Verbindungen entstehen beim starken Erhitzen von Lebensmitteln, insbesondere beim Braten, Grillieren und Frittieren. Sie werden mit chronischen Entzündungen, Gefässschäden, Diabetes und Alterungsprozessen in Verbindung gebracht.
Da im Airfryer weniger Fett verwendet wird und viele Speisen kürzer gegart werden, können abhängig vom Lebensmittel auch weniger AGEs entstehen als beim klassischen Frittieren.
Die Forschung zu diesem Thema entwickelt sich zwar noch weiter, dennoch sprechen die bisherigen Daten dafür, dass eine schonendere Zubereitung langfristig gesundheitliche Vorteile haben könnte.
5. Der grösste Vorteil hat nichts mit Chemie zu tun
Aus meiner Sicht liegt der wichtigste Vorteil des Airfryers gar nicht in einzelnen Stoffwechselprozessen.
Er macht gesunde Ernährung einfacher.
Knuspriger Brokkoli in 15 Minuten, geröstete Kichererbsen als Snack, Tofu mit einer knusprigen Kruste oder Süsskartoffeln ohne grossen Aufwand: Wenn gesunde Mahlzeiten schnell gelingen und gut schmecken, werden sie häufiger zubereitet.
Genau das ist wahrscheinlich der grösste gesundheitliche Vorteil.
Nicht weil der Airfryer Krankheiten verhindert, sondern weil er gesunde Gewohnheiten im Alltag erleichtert.
Gibt es auch Nachteile?
Ja. Einige Punkte sollte man beachten.
- Die Beschichtung: Viele Airfryer verfügen über einen antihaftbeschichteten Garkorb. Eine intakte PTFE-Beschichtung gilt bei normalem Gebrauch als sicher. Ist die Beschichtung jedoch stark zerkratzt oder löst sie sich ab, sollte der Garkorb ersetzt werden. Wer ganz auf Beschichtungen verzichten möchte, findet mittlerweile auch Modelle mit Edelstahlkörben.
- Hochverarbeitete Lebensmittel bleiben hochverarbeitet. Ein Airfryer verändert die Zubereitungsart, nicht aber die Qualität eines Lebensmittels. Tiefkühl-Nuggets, panierte Snacks oder Pommes aus hochverarbeiteten Zutaten bleiben hochverarbeitete Lebensmittel, unabhängig davon, ob sie frittiert, gebacken oder im Airfryer zubereitet werden. Ein Airfryer kann deshalb keine ungesunde Ernährung ausgleichen.
Airfryer oder Backofen?
Diese Frage höre ich häufig.
Für grosse Mengen Gemüse, Aufläufe oder Blechgerichte ist der klassische Backofen oft praktischer.
Für kleinere Portionen spielt der Airfryer seine Stärken aus. Er heizt schneller auf, benötigt weniger Energie und verkürzt häufig die Garzeit. Für den Alltag kann das ein echter Vorteil sein.
Medizinisches Fazit:
- Der Airfryer ist kein Wundermittel.
- Er macht Fast Food nicht gesund und ersetzt auch keine ausgewogene Ernährung.
- Dennoch bietet er einige wissenschaftlich gut belegte Vorteile: weniger Öl und damit weniger Kalorien, weniger oxidierte Fettabbauprodukte, geringere Acrylamidbildung bei geeigneter Zubereitung, möglicherweise weniger AGEs, schnelle und unkomplizierte Zubereitung gesunder Lebensmittel.
- Aus ernährungsmedizinischer Sicht ist der grösste Vorteil jedoch ein anderer: Wenn ein Küchengerät dazu beiträgt, dass Menschen häufiger Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln oder Fisch zubereiten, kann das langfristig einen echten Beitrag zu einer gesünderen Ernährung leisten. Am Ende gilt: Nicht der Airfryer ist gesund. Gesund ist das, was darin landet.
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