ADHS endet nicht am Rezeptblock
Vor kurzem sass ein 18-jähriger Patient bei mir in der Praxis.
Diagnose ADHS seit Jahren.
Medikamentös gut eingestellt.
Regelmässiger Sport.
Trotzdem: massive Probleme in der Schule, Konzentrationsabbrüche, emotionale Überforderung, das Gefühl „ich kann eigentlich mehr, aber es geht einfach nicht“.
Ein klassischer Punkt, an dem viele denken: Mehr geht halt nicht.
Aber genau hier fängt meine Arbeit oft erst an.
Wir haben nichts an der Medikation verändert. Sondern an einem anderen, oft unterschätzten Hebel gedreht: der Ernährung. Nach einer gezielten Umstellung (Struktur der Mahlzeiten, Proteinverteilung, Blutzucker-Stabilität, Mikronährstoffversorgung) kam er einige Wochen später zurück und sagte sinngemäss: „Ich bin ruhiger im Kopf. Ich kann länger dranbleiben. Schule fühlt sich nicht mehr permanent anstrengend an.“
Das bestätigt, was ich in der Arbeit mit meinen Patient:innen jeden Tag sehe: Wer ADHS nur rein pharmakologisch betrachtet, übersieht oft das halbe Bild. Konzentrationslöcher oder emotionale Dysregulation sind keine reinen „Kopfsachen“. Sie haben eine biochemische Basis, die wir über den Teller direkt beeinflussen können.
Vier Hebel, die dabei häufig unterschätzt werden:
- Das Dopamin-Frühstück: Ein proteinreicher Start (inkl. Tyrosin) liefert die Bausteine für Fokus, bevor der Tag richtig losgeht.
- Raus aus der Blutzucker-Achterbahn: Kohlenhydrat-Crashes führen zu starken Schwankungen – und triggern Impulsivität, Reizbarkeit und „Brain Fog“.
- Mikronährstoffe als Co-Faktoren: Ohne Eisen, Zink und Magnesium läuft die Neurotransmitter-Synthese wie mit angezogener Handbremse. Ein Mangel kann sogar die Wirkung von Medikamenten ausbremsen.
- Stille Trigger erkennen: Künstliche Farbstoffe und instabile Blutzuckerkurven wirken wie permanentes „Rauschen“ im Nervensystem und senken die Reizschwelle massiv.
Medizinisches Fazit:
Die grössten Fortschritte sehe ich dort, wo medizinische Diagnostik, evidenzbasierte Verhaltenstherapie (inkl. Medikation) und gezielte Ernährungstherapie Hand in Hand gehen.
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